C-Suite in der Pflicht: überzeugende Strategien für die Offenlegung der CO2-Bilanz

Die Glaubwürdigkeit des eigenen Unternehmens, die Art der Kommunikation und der Umgang mit Unsicherheiten zur Datenlage sind inzwischen wichtige Aspekte, die die C-Suite bei ihrer Strategie für klimabezogene Offenlegungen berücksichtigen muss. Mit der neuen Regulierung schreitet die Standardisierung der Berichterstattung zum Klimaschutz weiter voran.

Dazu zählt, dass in der EU und vielen anderen Regionen, eine Reihe strengerer gesetzlicher Vorschriften zur Bilanzierung dieser Emissionen eingeführt werden. Die Herausforderung für Unternehmen ist zum einen, diese Vorgaben nun in ihre bestehenden Berechnungsmodelle und ihr Klimamanagement zu integrieren. Schwierig bleibt zum anderen, Daten zu Treibhausgasemissionen zu vergleichen, was unter anderem an unterschiedlichen methodischen Ansätzen, z. B. bei der Auswahl der Emissionsfaktoren für die Bilanzierung in der Wertschöpfungskette, liegt.

Gleichzeitig müssen Unternehmen gegenüber verschiedenen Stakeholdern und dem Aufsichtsrat sprachfähig sein. Dabei sind unterschiedliche Anforderungen und Wissensstände zu klimarelevanten Themen zu berücksichtigen. Aus diesem Grund ist das Wissen darüber wichtig, Klimainformationen so zu strukturieren und zu vermitteln, dass sie für die unterschiedlichen Bedürfnisse passen sowie klar und verständlich sind.

Obwohl sich die Informationslage zu Treibhausgasemissionen verbessert hat und Daten zunehmend verfügbar werden, sind sie aus Accounting-Sicht oft nicht so belastbar, verlässlich und nutzbar wie Finanzdaten. Das, zusammen mit einem oft begrenzten Know-how im Bereich Klimaschutz, ist eine wesentliche Herausforderung für Unternehmen. Die unzureichende Vergleichbarkeit mit Finanzdaten führt dazu, dass CFOs (Chief Financial Officers), die mit Daten zu Treibhausgasemissionen zu tun haben, mit gewissen Unsicherheiten in der Berichterstattung und bei ihren Prognosen umgehen müssen.

Stehen für den unmittelbaren Energieverbrauch eines Unternehmens standardisierte und belastbare Daten zur Verfügung, hängt die verlässliche Berechnung der Emissionen in der Wertschöpfungskette (entsprechend Scope-3) von einer Vielzahl an Faktoren wie auch von den Emissionsquellen und den Erhebungsmethoden der Daten ab. Das ist für viele Unternehmen noch unbekanntes Terrain. Indem sie die Komplexität, Ressourcen und Managementprozesse berücksichtigt, kann die C-Suite jedoch überzeugende Strategien für die klimabezogene Offenlegung entwickeln, die alle Punkte verbinden und die Greenwashing-Falle vermeiden.

Exkurs Greenhouse Gas (GHG) Protocol

Das Greenhouse Gas Protocol unterteilt Treibhausgasemissionen in verschiedene Kategorien, sogenannte Scopes.

Scope 1: Direkte Treibhausgasemissionen eines Unternehmens, die aus Quellen stammen, die dem Unternehmen gehören oder die es direkt kontrolliert, wie z. B. Firmenwagen.

Scope 2: Indirekte Emissionen, die bei der Produktion von eingekaufter Energie, wie Strom, Wasserdampf, Fernwärme oder -kälte entstehen und die nicht vom Unternehmen selbst erzeugt werden.

Scope 3: Alle indirekten Treibhausgasemissionen, die entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette von Unternehmen entstehen.

Emissions-Hotspots identifizieren

Scope-3-Emissionen in der Lieferkette sind von Natur aus schwer zu erfassen, tragen aber erheblich zum CO2-Fußabdruck bei. Die Mischung aus der Komplexität, Relevanz und oft großen Menge der Daten ist vielfach schwer zu bewältigen und belastet die Ressourcen. Mehr Daten zu sammeln, um die Genauigkeit des gesamten Carbon Footprint des Unternehmens um 0,01 Prozent zu verbessern, führt zum Beispiel zu einem schlechten Return on Effort (ROE). Dagegen kann es hilfreich sein, zunächst die Emissions-Hotspots zu erfassen und anschließend schrittweise die Datengranularität zu erhöhen, damit Unternehmen den Fokus auf präzisere Daten setzen können – um schließlich ihre Ziele zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks in der gesamten Lieferkette effektiver zu erreichen. Am Ende dieses schrittweisen Prozesses geht es darum, die Primärdaten der Lieferanten für die wichtigsten Emissionsquellen einzubeziehen.

Ressourcen optimieren

Unternehmen, die bereits damit begonnen haben, das Thema Nachhaltigkeit in ihre Organisation zu integrieren, müssen sicherstellen, dass alle Ressourcen effizient zugewiesen und mit der Treibhausgasbilanzierung sowie der Offenlegungsstrategie in Einklang sind. Das erfordert viel Zeit und Mühe. Doch sie können ihre Ressourcen und Budgets optimieren, indem sie herausfinden, wo die Nachhaltigkeitsanforderungen sinnvollerweise mit bestehenden Funktionen zusammengeführt werden können, anstatt Prozesse komplett zu duplizieren. Das beginnt mit der Analyse der Enterprise Resource Planning(ERP)-Systeme innerhalb der IT-Landschaft und den Methoden zur Erfassung und Prognose von Daten. Indem sie sich auf die effiziente Verteilung von Ressourcen konzentrieren, können Unternehmen besser messen, wie eine solche Investition die Treibhausgasbilanzierung optimiert.

Unternehmen, die bei der Kohlenstoffbilanzierung und ihrer Strategie für klimabezogene Offenlegungen erst am Anfang stehen, müssen zunächst sicherstellen, dass das Datenmodell, die Prozesse und die Systeme entwickelt und eingerichtet sind. Auch die Rollen und Zuständigkeiten im Unternehmen müssen klar definiert sein. In jedem Fall braucht es eine zentrale Steuerungsfunktion, um die Umsetzung der Vorgaben an Klimadaten unternehmensweit zu koordinieren.

Auf den Prozess fokussieren

Unabhängig von der Branche oder dem Sektor läuft der übergreifende Prozess für die Kohlenstoffbilanzierung immer ähnlich ab. Ausgehend von einer Ist-Analyse, um die Anforderungen zu erfassen, geht es im nächsten Schritt darum, die unmittelbaren Emissionsquellen im Unternehmen zu identifizieren sowie die relevanten Daten zu erfassen, die entsprechend dem verwendeten Berichtsstandard erforderlich sind. Zu den am häufigsten genutzten Berichtsstandards gehört das GHG-Protokoll. Dieses hilft dabei, die Emissionsquellen in der Lieferkette zu kategorisieren und jene mit den größten Auswirkungen zu priorisieren und nicht relevante auszuschließen.

Dann geht es darum, eine Data Governance sowie Datenmodelle aufzubauen, die z. B. nach der Art des Energieverbrauchs unterscheiden, abhängig davon, ob es um einen Vertriebsstandort oder einen Produktionsstandort geht oder ob unterschiedliche regionale oder internationale Rechtsstrukturen zu berücksichtigen sind. Wichtig ist dabei auch, zu überlegen, wie granular die Daten sind, in welcher Form sie vorliegen und wie sie zur Offenlegungsstrategie passen.

Schließlich ist die Fähigkeit entscheidend, Klimadaten genau zu verarbeiten, zu validieren und zu belegen. Ein klarer Prüfpfad ermöglicht, Prozesse zu verfolgen und Vergleiche mit vorherigen Daten durchzuführen. Das kann dazu beitragen, die Kohlenstoffbilanzierung und die Strategie für klimabezogene Offenlegungen auf die nächste Stufe zu heben.

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