LkSG-Risikoanalyse: Wann ist Tool-Unterstützung sinnvoll?

Seit dem Inkrafttreten des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) am 1. Januar 2023 beziehen sich die Sorgfaltspflichten von Unternehmen nicht mehr ausschließlich auf den eigenen Geschäftsbereich, sondern auch auf ihre unmittelbaren und mittelbaren Zulieferer. Dabei greifen viele auf Softwarelösungen zurück, welche ein strukturiertes und vereinfachtes Managen der Sorgfaltspflichten versprechen. Herzstück solcher Tools ist das Erstellen von Risikoprofilen für Lieferanten. Ist also eine toolgestützte, automatisierte Lösung für die Risikoanalyse von Unternehmen besser als eine manuelle Ausarbeitung?

Für die Risikoanalyse, Präventions- und Abhilfemaßnahmen, das Beschwerdemanagement und die Dokumentation müssen Unternehmen ESG-Daten ihrer Lieferanten einholen, diese auswerten und schließlich darüber berichten. Ob sie dabei die benötigten Informationen automatisiert oder manuell ermitteln sollten, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wir haben eine Pro- und Kontra-Liste mit jeweils drei Vor- und Nachteilen von Tool-Lösungen erstellt, um Ihnen die Entscheidungsfindung so einfach wie möglich zu machen.

 

Pro:

Kontra:

Transparenz in der Lieferkette vs. mögliche Tool-Flut

Ein Vorteil von Tool-Lösungen zur Risikoanalyse ist das automatisierte Mapping. Dieses kann für priorisierte risikorelevante Lieferanten und Warengruppen die notwendige Transparenz über mehrere Lieferketten-Stufen herstellen. Denn Lieferanten müssen ganzheitlich über die Einhaltung ihrer Sorgfaltspflichten berichten. Beim Mapping werden Daten effektiv identifiziert, analysiert und in die Ziel-Software eingefügt. So erhalten Unternehmen einen schnellen und effektiven Überblick über die für sie relevanten ESG-Daten.

Bei vielen Anbietern ist eine Kontaktaufnahme des Unternehmens mit den jeweiligen Lieferanten über die Softwarelösung im ersten Schritt notwendig. Für die Lieferanten kann die Anfrageflut dabei zur Herausforderung werden. Wenn beispielsweise ein Lieferant von zehn Kund*innen mit zehn unterschiedlichen Softwarelösungen konfrontiert wird, bedeutet das für diesen einen hohen Arbeitsaufwand. Die zuständigen Mitarbeiter*innen müssen auf jedes Tool geschult werden und sich mit deren individuellen Anforderungen vertraut machen. Unterschiedliche Informationsanforderungen innerhalb der Tools können zu ineffizienten Prozessen führen und sich somit nachteilig auf das Unternehmen auswirken.

Automatisierte Dokumentation vs. manuelle Erfassung

Ein Risikoanalyse-Tool ermöglicht es Unternehmen, einen Gesamtüberblick über die vorhanden Lieferantendaten zu gewinnen und veränderte Informationen oder Einstufungen von Lieferanten teilweise in Echtzeit einzusehen. Zudem erfasst es ESG-Daten und Dokumente in einer einheitlichen Struktur. Diese Art der Dokumentation reduziert anschließend den Aufwand der Informationsbereitstellung und auch der Berichterstattung.

Ein Risikoanalyse-Tool kann Unternehmen auch in falscher Sicherheit wiegen. Nämlich dann, wenn die jeweiligen Informationen der Lieferanten manuell in der Software erfasst werden müssen. Denn so ist eine Analyse der Daten in Echtzeit nicht möglich. Dies hat zur Folge, dass sich der Sourcing-Prozess, die Lieferantenauswahl und das Risikomanagement verlangsamen. Zudem kann der Einkauf eines Unternehmens nur zeitversetzt auf Menschenrechtsverletzungen oder Krisenereignisse bei den jeweiligen Lieferanten reagieren.

Automatisiertes Frühwarnsystem vs. Überprüfung mit eigenen Ressourcen

Durch ein automatisiertes Tool zur Risikoanalyse können Unternehmen die gesetzlichen Vorschriften im Blick behalten. Und nicht nur das: Es kann auch als Frühwarnsystem fungieren, wenn ein Unternehmen bzw. dessen Hauptlieferanten die Anforderungen des LkSG nicht erfüllen. Dies ersetzt teilweise eine manuelle Compliance-Überprüfung.

Nicht jede Software deckt alle Sorgfaltspflichten des LkSG ab. Um mit dem LkSG compliant zu sein, reichen das Durchführen einer Risikoanalyse sowie ein Tool für diesen Bereich allein nicht aus. Unternehmen benötigen also mehr als nur eine Tool-Lösung, um die LkSG-Anforderungen vollumfänglich zu erfüllen. Für kleine Unternehmen oder für Unternehmen mit einem großen Lieferantenstamm aus risikoarmen Ländern kann es günstiger sein, auf eigene Ressourcen und das manuelle Sammeln von ESG-Daten statt auf eine komplette Tool-Lösung zurückzugreifen.

Fazit: Lohnt sich die Tool-Unterstützung?

Ob eine Softwarelösung für die Risikoanalyse in Frage kommt oder eine manuelle ESG-Datenauswertung der bessere Weg für ein Unternehmen ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Denn die Vorteile einer toolgestützten Lösung gegenüber einer manuellen Analyse sind stark von der Unternehmensgröße, der Unternehmensbranche und der Internationalität des Unternehmens abhängig.

Wichtig ist allerdings, dass Unternehmen neben einer Risikoanalyse auch im Blick haben, wie sie künftig ihre weiteren relevanten ESG-Daten sammeln, analysieren und bereitstellen wollen. Investitionen in die Entwicklung eines strukturierten Prozesses (ob toolgestützt oder nicht) sind dabei ein Muss, um mit dem LkSG compliant zu werden.

 

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