Schritt 5: Ertragsrealisation der jeweiligen Leistungsverpflichtung

„Die Bindung der Umsatzrealisierung an die Kontrolle durch den Kunden kann zu einer zeitlichen Vor- und Nachverlagerung der Umsatzerlöse im Vergleich zu den Regelungen nach IAS 18 führen. Die neuen Regelungen zur Lizenzierung tragen neuen Geschäftsmodellen (u. a. im Bereich der Medienindustrie) Rechnung und können dort zu erheblichen Anpassungen führen.“

Bisherige Regelungen nach IAS 18 u. a.

Bei der Ertragsrealisation der jeweiligen Leistungsverpflichtungen ist zu bestimmen, ob die Umsatzrealisierung zeitpunkt- oder zeitraumbezogen erfolgt und wie die jeweiligen Leistungszeitpunkte bzw. -zeiträume in Abhängigkeit der Erfüllung der Leistungsverpflichtungen zu bestimmen sind. IAS 18 stellt diesbezüglich auf einen Risk-and-Reward-Ansatz nach IAS 18.20f. ab. Nach IAS 11 sind die Umsatzerlöse insbesondere dann zeitraumbezogen zu realisieren, wenn die Leistungen kundenspezifisch sind.

Allgemeine Regelungen nach IFRS 15

Nach IFRS 15.31 ist die Realisierung der Umsatzerlöse an die Übertragung und Kontrolle von Gütern bzw. Dienstleistungen gebunden. Die Umsatzrealisierung hat dann zeitraumbezogen zu erfolgen, wenn der Kunde fortlaufend Nutzen aus der Leistung zieht (z. B. Lizenzen), wenn sich die Leistungen auf einen Vermögenswert in der Kontrolle des Kunden beziehen (z. B. Immobilienbau auf Grundstück des Kunden) oder wenn es sich um einen Vermögenswert ohne alternativen Nutzen mit einem durchsetzbaren Anspruch auf bereits erbrachte Leistungen handelt (z. B. Anlagenbau).

Spezifische Einzelfallregelungen nach IFRS 15

Die zeitpunkt- oder zeitraumbezogene Umsatzrealisierung bei Lizenzen richtet sich danach, ob damit eine Nutzung über das geistige Eigentum des Lizenzgebers zum Zeitpunkt der Einräumung der Lizenz ermöglicht wird oder ob das geistige Eigentum einer laufenden Anpassung seitens des Lizenzgebers über den Lizenzzeitraum bedarf (IFRS 15.B52). Im Falle von Bill-and-Hold-Vereinbarungen ist eine Realisierung von Umsatzerlösen dann vorzunehmen, wenn der Kunde über die Kontrolle der entsprechenden Vermögenswerte verfügt (IFRS 15.B79ff.).

Betroffene Branchen

Die Neuregelungen betreffen insbesondere Branchen mit langfristigen Verträgen wie den Anlagenbau. (Hierzu verweisen wir auf unsere Broschüre „Long term contracts“ der Mazars-Gruppe.) Die Regelungen zur Lizenzierung umfassen sämtliche Verträge, bei denen geistiges Eigentum zur Verfügung gestellt wird. Dies betrifft demzufolge auch Medienunternehmen in der Internetbranche oder Spieleindustrie u. a.