Erstmalige Anwendungspflicht und Übergangsvorschriften

IFRS 16 ist erstmals verpflichtend für Geschäftsjahre anzuwenden, die am oder nach dem 1. Januar 2019 beginnen. Eine vorzeitige Anwendung ist zulässig, sofern die Vorschriften des IFRS 15 gleichzeitig angewendet werden. Für IFRS-Anwender innerhalb der EU ist für die verpflichtende Anwendung von IFRS 16 ein Endorsement des Standards Voraussetzung. Das Endorsement wird für das zweite Halbjahr 2017 erwartet.

Für die zum 1. Januar 2019 (bzw. dem Zeitpunkt der erstmaligen Umstellung) noch bestehenden Leasingverhältnisse nach IAS 17 i. V. m. IFRIC 4 besteht das Wahlrecht nach IFRS 16.C3, diese Verhältnisse nicht einer erneuten Beurteilung nach IFRS 16 daraufhin zu unterziehen, ob ein Leasingverhältnis auch nach den Vorschriften des IFRS 16 vorliegt oder nicht. Im Falle der Ausübung dieses Wahlrechtes gelten dann für diese zum 1. Januar 2019 noch bestehenden Leasingverhältnisse nach IAS 17 i. V. m. IFRIC 4 die regulären Übergangsvorschriften nach IFRS 16.C3(a) i. V. m. IFRS 16.C5–C18. Das Wahlrecht kann nur einheitlich für sämtliche noch offenen Leasingverhältnisse in Anspruch genommen werden und muss im Anhang offengelegt werden. Bei den (nach IAS 17/IFRIC 4 oder auch nach IFRS 16) bestehenden Leasingverhältnissen hat ein Unternehmen dann das Wahlrecht zwischen der nachfolgend dargestellten vollständigen oder der modifizierten retrospektiven Anwendung.

Die vollständige retrospektive Anwendung (IFRS 16.C5 (i)) erfolgt unter Einbeziehung früherer Berichtsperioden und i. V. m. IAS 8 Rechnungslegungsmethoden, Änderungen von rechnungslegungsbezogenen Schätzungen und Fehler. Dabei wird unterstellt, dass alle relevanten Leasingverhältnisse schon immer nach IFRS 16 bilanziert worden seien. Der sich aus der Umbewertung der Verträge ergebende Anpassungseffekt ist in der Gewinnrücklage (oder einem anderen geeigneten Posten im Eigenkapital) zu verrechnen.

Demgegenüber beinhaltet die modifizierte retrospektive Anwendung (IFRS 16.C5 (ii)) folgende wesentlichen Erleichterungen:

a) Die Vorjahresangaben für das Geschäftsjahr 2018 bleiben unverändert.

b) Bisherige Finance Leases nach IAS 17 bleiben in ihrer Bilanzierung unverändert (IFRS 16.C11).

c) Leasingverbindlichkeiten für Leasingverträge, die nach IAS 17 als Operating Lease klassifiziert worden sind, werden zum Barwert der ausstehenden Leasingraten auf Basis der Grenzfinanzierungsrate zum Zeitpunkt der erstmaligen Anwendung bewertet (IFRS 16.C8 (a)).

d) Die Bewertung des right-of-use asset unterliegt dem folgenden Wahlrecht, das für jedes Leasingverhältnis gesondert ausgeübt werden kann:

i) Buchwert zum Zeitpunkt der erstmaligen Anwendung unter der Annahme, dass die Vorschriften des Standards ab dem Zeitpunkt des Vertragsbeginns angewendet worden sind, oder

ii) Buchwert in Höhe der Verbindlichkeit nach c) (mit etwaigen Anpassungen bei Vorauszahlungen oder ausstehenden Zahlungen)

e) Daneben bestehen weitere Erleichterungen nach IFRS 16.C10 (z. B. die Anwendung eines einheitlichen Diskontierungszinses auf ein Portfolio von Leasingverträgen und keine Verpflichtung zur Aktivierung bei Verträgen mit einer Restlaufzeit von 12 Monaten zum Zeitpunkt der erstmaligen Anwendung).

Sofern von der modifizierten retrospektiven Anwendung Gebrauch gemacht wird, sind zusätzliche Anhangangaben nach IFRS 16.C12 zu beachten, wie z. B. die Angabe des gewichteten Grenzfinanzierungszinssatzes zum Zeitpunkt der erstmaligen Anwendung und eine Erläuterung der Abweichung zwischen den (zu diskontierenden) Verpflichtungen aus Operating-Lease-Verhältnissen gemäß dem Vorjahresabschluss und der Leasingverbindlichkeit zum Zeitpunkt der erstmaligen Anwendung.

Erstmalige Anwendungspflicht und Übergangsvorschriften

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